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Literaturempfehlungen

Diese Literaturempfehlungen haben nicht zwingend alle das Thema Tierrechte im Fokus, sie befassen sich entweder konkret damit, haben eine große Nähe oder befassen sich mit eng verwandten Themen. Minirezensionen folgen nach und nach. Diese Liste verfolgt auch nicht das Ziel der Vollständigkeit. Wenn aber wesentliche Werke fehlen, dann bitten wir um entsprechende Information, damit wir unsere Lesevorrat wieder auffüllen können. Wir listen nicht auf Empfehlung sondern erst, wenn wir das Buch selbst gelesen haben.

Dr. Steven Best „Totale Befreiung“ Eine Revolution für das 21. Jahrhundert

(EchoVerlag, ISBN 978-3926914576)

Best ist für klare Worte bekannt und macht in dieser Hinsicht seinem Namen mit diesem Buch alle Ehre. Polarisation ist nicht erst seit seinem öffentlichen Bekenntnis zu den Aktionen der ALF Programm. Sein jüngstes Buch ist mit Blick auf das Massensterben von Arten, dem fast unvorstellbaren Ausmaß an Tierausbeutung und der überall stattfindenden ökologischen Katastrophe der Aufruf zu einem neuen und radikal veränderten Denken und Handeln. Das 21. Jahrhundert wird der Wendepunkt sein oder das Ende unserer Entwicklung. In Teilen ist dieses Buch eine Gereralkritik an linken Bewegungen, Veganern, der Tierrechtsszene und vielen anderen Formen von herrschafts-, hierarchie- und kapitalismuskritischen Gruppen. Best bemängelt die Beschränktheit der Sichten und fordert zu Allianzen auf. Lesern, die Best nicht näher kennen, sei empfohlen, das Buch auch dann zuende zu lesen, wenn sie sich in der ersten Hälfte durch die radikale Sprache und die (intellektuell brilliante) Gewaltdiskussion abgestoßen fühlen. Sie werden im zweiten Teil belohnt durch eine visionäre Sicht auf unsere Möglichkeiten und Potenziale und durch eine analytische Sicht auf unseren Zustand und unsere Zukunft. Ein anderer Aufbau hätte das Buch sicher breiteren Kreisen zugänglich gemacht – aber es bleibt ein klares Fazit: Klar und deutlich, schonungslos, radikal und  ein offener Aufruf zum Handeln. Best at it’s best…

Nina Messinger „Du sollst nicht töten!“ Plädoyer für eine gewaltfreie Ernährung

(Smaragd, ISBN 978-3941363472)

Die Autorin brauchte etwas, um warm zu werden. Die ersten 15% lesen sich wie eine arg vereinfachte Argumentationssammlung der aktuellen Tierrechtsstandpunkte. Dann allerdings folgt ein Interview mit Christian Opitz und das Buch nimmt inhaltlich Fahrt auf. Insgesamt ist es eher ein für jedermann verständlicher Rundumschlag über alle Themen der Tierrechts- und Veganismusdebatte. Großer Pluspunkt: im Buch sind mehrere interessante Interviews verarbeitet. Gut für Einsteiger in das Thema geeignet, aber kein „must have“.

Daniela Friedl „Mitleid unangebracht“ vegan leben in Österreich

(tredition, ISBN 978-3842445796)

Ich liebe dieses Buch, aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, für wen das geschrieben ist. Die Autorin schreibt autobiografisch, berichtet aus ihrem Alltag, verknüpft mit guten Sachinformationen, verziert mit schönen Zitaten und bebildert das Buch hübsch. Daniela Friedl hat einen sehr angenehmnen Schreibstil, des Lesen macht einfach einen riesengroßen Spaß. Nach dem Schließen des Buches ist man ein Stück mehr motiviert, seinen tierfreundlichen Lebensstil konsequent umzusetzen und man macht das mit einem Lächeln im Gesicht. Viele werden sagen, dass dieses Buch überflüssig ist, weil es nichts Neues enthält – ich empfehle: kaufen und lesen, weil es der Seele einfach unglaublich gut tut…

Alexander Bulk „Schweinchen Hugo reißt aus“

(compassion media, ISBN 978-3-9814621-3-5)

Ein Kinderbuch der anderen Art. Erzählt wird die Geschichte vom Schweinchen Hugo und seiner Freundin Matilda. Hugo quält die Frage, was wohl außerhalb des Stalls ist und fragt sich, warum der Bauer ihn nicht herauslässt. Auf Matilda und die anderen Tiere warten bei ihrer Suche nach Antworten auf ihre Fragen einige Abenteuer und Gefahren. Das Buch erzählt in kindgerechter Weise eine Geschichte von Neugierde, Freiheit und über die Angst vor dem Ungewissen. Allerdings wird hier nicht das naive Bauernhofideal städtischer Bewohner vermittelt, wie man es üblicherweise in Kinderbüchern findet.

Neben der eigentlichen – fiktiven – Geschichte finden sich im Anhang echte Geschichten von Schweinen, die auf Lebenshöfen leben.

Jan Bredack „Vegan für alle“

(Piper, ISBN 978-3492056304)

Ein ehemaliger Mercedes-Manager gründet das Veganz, den ersten veganen Supermarkt Deutschlands. Das Buch ist in weiten Teilen autobiografisch und gibt interessante Einblicke in die soziologischen und psychologischen Strukturen modernen Managements (nicht nur) großer Konzerne und dem Willen einiger weniger, dieses Biotop hinter sich zu lassen. Bredack beschreibt ausführlich seine Beweggründe sowohl das eine Leben hinter sich zu lassen und auch das andere Leben neu aufzubauen. Es ist eher leichte Lektüre, die aber dennoch einen nachdenklichen Leser zurücklässt. Zum Ende des Buchs hin, kommen einem Zweifel auf, wie unsere Gesellschaft heute mit ihren Maximen überdauern kann, wenn wir den Wechsel nicht hinbekommen. Bredack selbst ist jedoch ein Zeuge dafür, dass es dennoch möglich ist. Insgesamt ein Buch, das Mut macht, anzupacken.

Rüdiger Dahlke „Peace Food“

(Gräfe und Unzer, ÎSBN 978-3833822865)

Dieses Buch ist mehr ein Plädoyer eines Ganzheitsmediziners als eine tierrechtliche Lektüre. Dahlke nimmt starke Bezüge auf die China Study und erklärt aus seiner beruflichen Praxis als Arzt die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit. Darüber hinaus stellt er seine Theorien über die Zusammenhänge mit der Seele des Menschen dar und begründet vieles klar wissenschaftlich, manches mutet dagegen etwas esoterisch an. Insgesamt ist es aber eine lesenwerte Mischung, die an keiner Stelle belehrend wirkt. Dahlke gibt starke Denkansätze und bietet Lösungsmöglichkeiten an. Wie so oft in Büchern dieser Art, finden sich einige Rezepte am Ende des Buches – in diesem Fall jedoch wirklich wundervolle. Lesenswert auch für Leser, die einen Einblick in hormonelle Ursache-Wirkung-Beziehungen und in den Stoffwechsel des Menschen haben möchten.

Charles Patterson „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“

(Zweitausendeins, ISBN 978-3861506492)

Der Titel des Buches ist ein Zitat von Isaac B. Singer, dem einzigen jiddischen Schriftsteller, der bislang den Literatur-Nobelpreis erhalten hat. Patterson schreibt über die Ursprünge des industriellen Tötens, über die Analoga, die der Holocaust mit der Tierhaltung und Tierschlachtung aufweist. Patterson macht deutlich, dass ein Vergleich mit dem Holocaust nicht nur statthaft sondern sogar geboten ist. In dem Buch werden viele Überlebende des Naziregimes zitiert, denen selbstverständlich nicht an einer Gleichsetzung gelegen ist. Es ist ein verstörendes Werk, das aber aufrüttelt und deutlich zeigt, wie emotionale Abstumpfung zur Verwahrlosung wird, wie solche Mechanismen funktionieren, die – je nach Anwendung – in ihrer jeweiligen Katastrophe enden. Pflichtlektüre, insbesondere für kritische Leser, die grundsätzlich ein Problem mit Holocaustvergleichen haben.

Antoine F. Goetschel „Tiere klagen an“

(Fischer, ISBN 978-3596191000)

Der Titel ist wörtlich gemeint, denn der Autor war Tieranwalt in Zürich und hat dort stellvertretend für seine Klientel deren Rechte vertreten. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass in der Schweiz als einiziger Nation der Welt die Würde des Tieres Verfassungsrang hat. Wie wichtig das für die Zukunft sein wird, erläutert Goetschel durch die Beantwortung von zehn Fragen. Dieses Buch sei jedem ans Herz gelegt, der meint, dass die rechtliche Situation hinsichtlich der bestehenden Dramatik keine Rolle spielt. Er erläutert sehr anschaulich und für juristische Laien verständlich, warum auch dieses Feld der Tierrechtsbewegung unverzichtbar ist. Es werden nicht nur ethische Dillemmata thematisiert sondern auch praktische Ratschläge gegeben. Zudem schärft das Buch auch die Einsicht in die Notwendigkeit der Instanzenwege. Pflichtlektüre.

Andreas Grabolle „Kein Fleisch macht glücklich“

(Goldmann, ISBN 978-3442173167)

Der Autor beschreibt seinen Weg der Auseinandersetzung mit dem Fleischkonsum. Es beginnt mit einem Selbstversuch und endet mit voraussehbar klaren Erkenntnissen. Was wir essen, ist keineswegs gleichgültig. Grabolle ist kein Dogmatiker, zeigt aber in einer gut geschriebenen Zusammenfassung auf, wo die realen Probleme heute liegen. Gut recherchierte Inhalte werden ergänzt durch die wesentlichen Zahlen, die es in diesem Zusammenhang zu nennen gibt. Kein „must have“ aber eine sehr gut komprimierte Darstellung des Status Quo.

Hilal Sezgin „Artgerecht ist nur die Freiheit“

(C.H. Beck, ISBN 978-3406659041) ‚Eine Ethik für Tiere oder: Warum wir umdenken müssen‘

Die Autorin setzt sich mit den aktuellen tierrechtlichen Positionen intensiv auseinander. Sie strukturiert das Werk mittels fünf Fragen: Grundsätzlichen Erläuterungen über die Ethik schließen sich die Fragen, ob wir Tiere quälen, töten bzw. nutzen dürfen an und enden schließlich mit die Frage, wie wir mit Tieren leben können. Hilal Sezgin besticht durch intellektuellen Anspruch ohne verkopft oder theoriegetrieben zu sein. Das Buch ist anspruchsvoll und leicht lesbar zugleich, der Autorin ist diese Gratwanderung mit Bravour geglückt.

Urlich Seifert „Vegetarier – Gottlose Ketzer?“

(Gabriele-Verlag, ISBN 978-3892013457)

Für Atheisten handelt es sich hier um eine eher schwierige Lektüre. Theistisch gebildete Personen haben aber sicher einen guten Zugang über die zitierten Fundstellen, die Haltungen und Diskussionen mit christlich-religiösem Hintergrund. Spannend ist aber, dass sie die mitunter harte, aber begründete Kritik des Autors an den kirchlichen Positionen, auf einer Innensicht beruht. Hier findet eine Auseinandersetzung statt, die sich gegen einen autokratischen Führungsanspruch stellt. Aus dem Grunde kann dieses Buch auch für Menschen ohne christlich-religiösen Anker lesenswert sein (anlesen sinnvoll).

Peter Singer „Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere.“

(Rowohlt, ISBN 978-3499199103)

Der Klassiker der Tierrechtsliteratur. Die Erstausgabe liegt nun schon über 30 Jahre zurück und hat an Gültigkeit nicht eingebüßt. Singer ist mit seinen Thesen nicht unumstritten, der Leser sollte daher etwas Abstraktionsvermögen mitbringen. Dennoch ist Singer wohl der Erste, der den Tierrechtsgedanken von vielen unterschiedlichen Seiten beleuchtet hat. Ein Muss für jeden, dem die Thematik am Herzen liegt.

Helmut F. Kaplan „Der Verrat des Menschen an den Tieren“

(Vegi-Verlag, ISBN 978-3909067060)

Kaplan ist ein Verfechter der „einfachen Ethik“, um sich nicht in theoretischen Modellen und komplizierten Konstruktionen zu verfangen. So klar diese Ausrichtung ist, so deutlich sind auch seine formulierten Standpunkte. Kaplan ist unbequem, direkt und provozierend.

Helmut F. Kaplan „Tiere haben Rechte. Argumente und Zitate von A – Z“

(Fischer, ISBN 978-3891311189)

Insbesondere für Neulinge des Tierrechtsthemas ist dieses eine interessante Zusammenfassung der gängigsten Themen und Standpunkte.

Melanie Joy „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“

(Compassion Media, ISBN 978-3981462173)

Eines meiner Lieblingsbücher. Melanie Joy ist eine US-ameikanische Soziologin, die den Begriff ‚Karnismus‘ erdacht hat. Joy erläutert sowohl die soziologischen als auch die psychologischen Zusammenhänge und Mechanismen, die uns Menschen zu unserem paradoxen Umgang mit Tieren und unserer Duldung und Erklärung von Gewalt bringen. Allerfeinstes Brainfood. Auch für belesene Tierrechtler eine sehr interessante Perspektive, die viel zum Verständnis unserer Zustände beiträgt.

Karen Duve „Anständig essen. Ein Selbstversuch“

(Goldmann, ISBN 978-3442476473)

Ein unterhaltsames Buch über die Selbstversuche der Autorin. Geeignet für Zweifler aber auch für Schmöker-Leser. Dieses Buch hat wenig tierrechtliche Aspekte, beschreibt jedoch schön eine typische Entwicklung und die Konflikte von Menschen mit sich selbst und ihrer Umwelt, die sich mit den ethischen Dimensionen der Ernährung auseinandersetzen.

Jonathan Safran Foer „Tiere essen“

(Fischer, ISBN 978-3596188796)

Ein schriftstellerisch herausragendes Buch, das man am ehesten als Hybrid aus Sachbuch und Autobiografie bezeichnen kann. Erstmals hat ein Buch über die moralische Dimension des Essens eine solche Breitenwirkung erzielt. Geeignet für jeden Menschen, der sich seiner Verantwortung bewusst wird und tiefer in die Thematik einsteigen möchte.

John Robbins „Ernährung für ein neues Jahrtausend“

(Nietsch, ISBN 978-3929475081)

John Robbins hätte eigentlich der Erbe des Baskin-Robbins-Speiseeis-Imperiums werden sollen. Aber er entschied sich dagegen und wurde in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einer der meistgelesenen Autoren, die für eine vegane Ernährung werben. Sein Engagement ist herausragend, seine Bücher Bestseller. ‚Ernährung für ein neues Jahrtausend‘ ist nunmehr auch schon 30 Jahre alt und so aktuell, als wäre gestern erst die Tinte getrocknet. John Robbins schreibt sich förmlich in die Seele des Lesers und macht Lust auf eine bessere Welt.

John Robbins „Food Revolutoin“

(Nietsch, ISBN 978-3934647503)

Dieses Buch baut auf Robbins‘ Erstlingswerk auf und konkretisiert unzählige Aspekte einer pflanzlichen Ernährung. Robbins beleuchtet unseren Umgang mit tierischen Nahrungsmitteln von den unterschiedlichsten Seiten. Sein Buch ist voller Anekdoten und interessanter Details. Trotz des Umfangs ist ‚Food Revolutin‘ ein kurzweiliges Buch.

John Robbins „Letzter Ausweg vegan“

(Nietsch, ISBN 978-3862642205)

John Robbins‘ aktuelles Werk. Die bekannte Thematik wird durch aktuelle Entwicklungen und neueste Forschungsergebnisse ergänzt. Ein kurzes überschaubares Buch für alle, die sich auf dem Laufenden halten wollen.

Campbell / Campbell „China Study“

(Verlag Systemische Medizin, ISBN 978-3864010019)

Der Untertitel des Buchs lautet „Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise“ – und das trifft es tatsächlich. Der wissenschaftliche Anspruch wird in verständlicher Weise umgesetzt und in einen interdisziplinären Kontext gestellt, der auch die politischen Motivationen der fleischkonzentrierten Gesellschaft berücksichtigt. Pflichtlektüre.

Tom Regan „The Case for Animal Rights“

(University of California Press, ISBN 978-0520243866)

Tom Regan „Defending Animal Rights“

(University of Illinois Press, ISBN 978-0252074165)

Tolstoi, Wichmann u.a. „Das Schlachten beenden. Zur Kritik der Gewalt an Tieren.“

(Graswurzelrevolution, ISBN 978-3939045137)

Bei diesem Buch handelt sich um eine Zusammenstellung in erster Linie anarchistischer Texte. Es ist höchst spannend zu lesen, wie intensiv diese Form der Gewaltdiskussion auch mit feministischen und anderen linkssozialistischen Denkern verknüpft war. Tolstoi ist ein diesem Zusammenhang ein höchst delikates Stück Literatur. Den Texten mangelt es ein wenig an Überleitungsbauplan in die Gegenwart, aber diesen Anspruch hat die Textsammlung auch nicht. Als Horizonterweiterung sehr zu empfehlen, wenn auch in Teilen etwas zäh zu lesen.

Dr. Karl-Heinz Loske „Von der Jagd und den Jägern. Bruder Tier und sein recht zu leben.“

(Monsenstein und Vannerdat, ISBN 978-3865823724)

Loske – selbst in jungen Jahren ein Jäger – beschreibt in eindrucksvoller Weise die grundlegenden psychischen Konstruktionen von Jägern. Dennoch ist dieses Buch mitnichten nur ein Psychogramm, die Argumente sind allesamt wissenschaftlich biologisch gut unterlegt. Es ergibt sich ein Lesestoff, der zwischen biologischen Fakten, naturnahem Denken und psychologischen Einschätzungen schwebt. Sicher nicht jedermanns Sache, aber dieses Buch erlaubt einen Blick auf die Jäger aus einer einmaligen Perspektive: Nämlich der eines Mannes, der sich gewandelt hat und kritisch die Grundhaltung der Jäger analysiert und an vielen Stellen mit wissenschaftlicher Genauigkeit bloßstellt.

Hal Herzog “Wir streicheln und wir essen sie. Unser paradoxes Verhältnis zu Tieren.”

(Hanser, ISBN 978-3446429222)

Dieses Buch gehört eigentlich nicht in die Sammlung der Tierrechtsliteratur, aber es ist in vielerlei Hinsicht eine Offenbarung. Hal Herzog zeigt viele Eigenheiten, Wiedersprüche und Merkwürdigkeiten in der Mensch-Tier-Beziehung auf, dass sich der Leser wie in einem Minenfeld der Ethik bewegen muss. Ein Fundus für jeden, der ständig Herausforderungen in der Argumentation sucht. Viele Aspekte klären den Blick darauf, wie viele Menschen denken und wieso das Verhältnis der meisten Menschen zu den Tieren absurd und paradox ist. Für alle, die daran arbeiten, dies zu ändern, ist dieses Buch ein Wissensquell.

Corina Gericke “Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten”

(Echo, ISBN 978-3926914538)

Dieses Buch ist schon aufgrund seiner Nüchternheit nichts für schwache Nerven. Präzises Fachwissen, journalistisch sehr gut recherchiert und schließlich verständlich erläutert – das ist die Quintessenz. Für jeden geeignet, der noch einen Zweifel an der Forderungen der Abschaffung von Tierversuchen hegt – oder eine erstklassige Argumentationsgrundlage sucht. Corina Gericke hat mit der überarbeiteten zweiten Auflage eine umfassende Antwort auf die Frage nach Tierversuchen gegeben.

Hermann Focke “Tierschutz in Deutschland: Etikettenschwindel?!”

(Pro Business, ISBN 978-3939430933)

Focke ist ehemaliger Veterinäramtsleiter und beschreibt präzise die Zusammenarbeit zwischen industrieller Tierproduktion und Behörden. In Teilen wegen der sehr genauen Darstellung etwas langatmig zu lesen, ist dieses Buch dennoch ein Augenöffner bezüglich der Praktiken des Gesetzgebers. Nach der Lektüre sehen Sie das Tierschutzgesetz mit anderen Augen oder erkennen es als das, was der Buchtitel besagt: als Etikettenschwindel.

Hans Jonas “Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technische Zivilisation”

(Suhrkamp, ISBN 978-3518399927)

Für dieses Buch benötigen Sie Zeit und Ruhe. Jonas baut eine ethische Konstruktion für unser Zeitalter, in der die Verantwortung im Mittelpunkt steht. Die Verantwortung des Menschen ist vielmehr das alles dominierende Moralprinzip, das sich in Totalität, Kontinuität und Zukunft manifestiert. Obwohl dieses Buch auch weges seines Stils wie aus der Zeit gefallen scheint, so sind die zugrunde liegenden Gedanken höchst aktuell. Fukushima, Tierausbeutung, Börsenhypes, Datenskandale – in unserer Zeit ist es nötiger denn je, nach vorne zu blicken und eine Ethik zu entwickeln, nach der auch weitere Generationen die Möglichkeit und Berechtigung ihrer Existenz haben.

Wilfried Huismann “Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda”

(Gütersloher, ISBN 978-3579066752)

Der WWF hat alle Register gezogen, um dieses Buch zu verhindern. Glücklicherweise ist ihn das nicht gelungen. Das Buch macht deutlich, dass wir unsere Verantwortung nicht an Label oder Organisationen übertragen können. Schon gar nicht an große, weltumspannende. Dennoch sind die Rechercheergebnisse erschütternd. Den persönlichen Schluss muss jeder Leser selbst ziehen, aber lesen sollte Pflicht sein. Huismanns Recherchen sind seriös und in allen wesentlichen Teilen belegt.

Michael Pollan “Das Omnivoren-Dilemma”

(Goldmann, ISBN 978-3442219339)

Dieses Buch ruft weder zum Vegetarismus auf noch hebt es den moralischen Zeigefinger. Pollan zeigt in diesem schriftstellerisch herausragenden Buch vielmehr wo unsere Nahrung herkommt, wie sie verarbeitet wird und was aus uns, unserer Umwelt und unserem Sozialverhalten dabei wird. Der Ansatz, viel Mahlzeiten-Typen zu ihren Ursprüngen zurückzuverfolgen, ist der Aufhänger für alle Recherchearbeiten. Dass Pollan Professor für Jornalismus ist, spricht aus jeder Zeile dieses Buches. Alleine die Recherchearbeit und der brilliante Stil sind so umwerfend gut, dass ‘Das Omnivoren-Dilemma’ einen Sonderplatz in jeder Buchsammlung verdient.

Michael Pollan “Lebens-Mittel”

(Goldmann, ISBN 978-3442218721)

“Lebens-Mittel” ist eine Abrechnung mit Diäten, Forschern, industrieller Nahrung, dem Wahn der Zusammenstezung und nahezu allen anderen Dingen, die wir heute landläufig mit dem Thema Ernährung in Verbindung bringen. Pollan plädiert für den gesunden Menschenverstand, der den allermeisten Menschen beim Thema Ernährung abhanden gekommen scheint. Es ist aber nicht nur ein Anti-Ratgeber-Buch sondern weist auch eine Fülle von spannenden Fakten auf.

Angelika Krebs (Hrsg.) “Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion”

(Suhrkamp, ISBN 978-3518288627)

Braucht unsere Natur unsere Ehrfurcht? Der Anthroprozentrismus der gängigen ethischen Konzepte ist der Weiterentwicklung unserer Ethik offenbar im Weg. In dieser Sammlung werden Texte pro und contra tierethischer und umweltethischer Haltungen gesammelt. Die Herausgeberin analysiert die Grundlagentexte vieler Philosophen und fasst diese diskursiv zusammen. Eine Übersicht mit kritisch-analytischer Attitüde. Das abschließende Votum der Herausgeberin für die anthroprozentrische Position überzeugt wiederum nicht, was die Qualität der Sammlung und der Arbeit aber nicht schmälert.

Martin Balluch “Tierschützer. Staatsfeind: In den Fängen von Polizei und Justiz”

(Promedia, ISBN 978-3853713310)

Balluch ist kein Schriftsteller, für seine Schilderungen der Ermittlungen gegen die österreichischen Tierschützer nach dem “Terrorismusparagrafen” 278a des österreichischen Strafgesetzes braucht er aber auch keiner zu sein. Der Leser verstummt fasungslos ob der Dinge, die in einem (angeblichen?) Rechtstaat möglich sind. Ein Grund mehr, die Dinge in Frage zu stellen, gegen die wir im Tierschutz und in der Tierrechtsarbeit kämpfen. Das Gemeinwesen verbaut sich langsam den Weg zurück in eine Gesellschaft, in der Veränderungen möglich sind. Der Kampf gegen das Leid von Tieren ist auch ein Kampf gegen die Unterdrückung, die im Alltag jeden trifft.

Beate Rost “Notizen zum Tierschutz”

(Make a book, ISBN)

Mitgefühl ist das zentrale Thema dieses Buches, ein Appell an den Leser, sich mit dem betroffenen Geschöpf zu identifizieren. Beate Rost gelingt dies mit ihren Erzählungen aus dem Alltag des Tierschutzes in einer unnachahmlichen Weise. Dieses Buch ist ein Manifest gegen Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit.

Andreas Flury “Der moralische Status der Tiere”

(Karl Alber, ISBN 978-3495478790)

Flury analysiert treffsicher die Stärken und Schwächen der Axiologien von Salt, Singer und Regan und vergleicht diese miteinander. Bemerkenswert ist seine Kritik an der Axiologie der menschlichen Würde, die er den Analysen der Philosophen vorweg nimmt. Die Quintessenz von Flury ist im letzten Kapitel der Versuch einer eigenen Axiologie, die die Stärken und Schwächen der drei großen Theoriegebilde beachtet. Für eine tiefere Auseinandersetzung mit Tierethik ist dies ein wichtiges Buch, auch wenn die Axiologie von Flury etwas schwach und und unkonkret wirkt.

J. M. Coetzee “Das Leben der Tiere”

(Fischer, ISBN 978-3100108173)

Eine Erzählung, in der sich alles um die Frage nach der Würde der Kreatur dreht. Die Protagonistin, eine Schriftstellerin, verstört mit ihren kompromisslosen Haltungen die Intellektuellen Zuhörer mit einer Vorlesung. Literarisch sehr anspruchsvoll, ohne auch nur den Hauch einer Antwort zu geben. Eine grandiose Darstellung der oft anzutreffenden Hilfs- und Hoffnungslosigkeit. Was bleibt, ist die Erkenntnis, das wir alle Kreaturen mit Würde behandeln müssen. Oder besser: müssten.

Eine Sammelempfehlung sei für das gesamte Sortiment des Pala-Verlags ausgesprochen. Ein Fest für jeden vegetarisch oder vegan lebenden Menschen, ein Angebot allerschönster Kochbücher, liebevoll gestaltet und angefüllt mit den herrlichsten Rezepten. Dazu noch diverse Literatur rund um ein tierfreundliches und naturnahes respektvolles Leben.

Viel Spaß!

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