KATZEN SUCHEN EIN ZUHAUSE!

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Update #7: Therapie, ein Live-Bericht

VON IN Allgemein, Tierschutz, Vereinsnachrichten On 11-06-2014

An dieser Stelle werden wir für interessierte Leser zeitnah über die Verhaltenstherapie unserer Puma berichten. Bitte schauen Sie hin und wieder nach Updates dieses Beitrages (werden unten mit Datumsangabe angehängt).

Unsere Puma, die gerade erst anderthalb Jahre alt ist, hat schon einiges hinter sich gebracht. Viel zu früh von der Mutter weg, dann offensichtlich mit recht groben Kindern groß geworden, anschließend ein Halter mit Kleinkind, schließlich bei uns. Puma hat nie eine katzentypische Sozialisation erfahren. Der Halter, der sie uns übergab, war katzenerfahren, ein sympathischer Mann, sehr besorgt um Puma, kapitulierte aber vor der schwierigen Situation. Die Abgabe an uns war eine verantwortungsvolle und gute Entscheidung.

Puma ist unglaublich agil, sucht Nähe und Beschäftigung, hat dann aber ihr Verhalten überhaupt nicht im Griff. Das führt regelmäßig zu Überschussreaktionen, sie kratz dann heftig oder beißt auch richtig zu. Insbesondere Letzteres ist durchaus gefährlich, mit Katzenbissen ist wegen der Infektionen nicht zu spaßen. Da Puma auch überhaupt keine Warnsignale aussendet, wie das üblicherweise bei Katzen der Fall ist, erfolgen Bisse oder Kratzer völlig unerwartet und spontan.

Unsere Mitarbeiter, Helfer und Besucher im Verein sind aufgefordert, sich zwar intensv mit Puma zu beschäftigen, direkte Nähe aber vorerst zu meiden, um sie nicht in diese Bedrängnis zu bringen.

Wir beginnen mit Puma nun eine Verhaltenstherapie. Im Vorfeld haben wir sichergestellt, dass organische Ursachen ausgeschlossen werden konnten. Alle Untersuchungen, inklusive des Blutbildes, zeigen eine kerngesunde Katze. Wir arbeiten hierfür mit Dr. Ulrike Werner zusammen, einer ausgewiesenen Spezialistin. Anfang Februar wird die Erstanamnese stattfinden.

Leser unter Ihnen, die uns hierbei finanziell unterstützen möchten, können dieses gerne tun. Geben Sie im Verwendungszweck einfach „Puma“ an, hier geht es zu den Spendenmöglichkeiten.

Wir möchten hier auch gerne darlegen, was uns von anderen Organisationen unterscheidet. Dieser therapeutische Weg ist ein kostspieliges und arbeitsintensives Unterfangen, kommt aber dem langfristigen Wohl der Katze zugute. Wir geben Ihnen hier die Gelegenheit, die Arbeit des Vereins an einem konkreten Bespiel zu verfolgen.

Update #1, 5. Februar:

Unsere Puma wohnt jetzt schon eine Weile in unserem Separee. Wir trennen Sie konsequent von den anderen Katzen, damit wir nicht schlimmere Verletzungen provozieren. Alle Mitarbeiter und Besucher sind angewiesen, vorsichtig mit ihr umzugehen und köperliche Nähe derzeit zu vermeiden. Hierbei geht es weniger darum, die Menschen zu schützen sondern vielmehr darum, Puma nicht weiter in Bedrängnis zu bringen.

Puma sucht einerseits die Nähe, reagiert dann aber extrem heftig, wenn es ihr zu eng oder zuviel wird. Das ist natürlich auch für sie immer eine Extremsituation, die wir derzeit möglichst vermeiden.

Das schließt ein paar Kratzer aber nicht aus. Der Autor spricht aus weiser Erfahrung mit ziemlich zerschundenen Waden. Das wird noch ein weiter Weg. Morgen abend, am 6. Februar, findet die Erstanamnese mit der Verhaltenstherapeutin statt. Unser Vorstand Bettina und unsere ehrenamtliche Helferin Izabella sind dabei.

Update #2, 7. Februar:

Willkommen im wahren Leben: Ein nicht ausgfülltes Formular führt zu einer Verschiebung der Erstanamnese. So war der Start natürlich nicht geplant – aber gut, nun ist es so.

Wir merken, dass es nicht so einfach ist. Die therapeutischen Ansätze verlangen eigentlich eine Umgebung, die eher einem üblichen Zuhause entspricht. Im Verein, mit einer wechselnden 10-15köpfigen Mannschaft ist es alles andere als trivial, eine Meinung und eine Situationsbeschreibung zu fertigen. Die Kommunikationsanforderungen sind dafür enorm hoch. Und dann fällt ein Formular unter den Tisch und schon haben wir den Salat.

Der nächste Termin folgt.

Update #3, 10. Februar:

So, wir haben nachgearbeitet – und damit steht der nächste Termin, morgen am 11. Februar erfolgt nun die Erstanamnese. Sobald wir das Feedback der Ärztin haben, werden wir an dieser Stelle berichten.

Update #4, 18. Februar:

Schlechte Nachrichten. Aber weil wir versprochen haben, hier öffentlich zu berichten, machen wir das mit aller Konsequenz.

Die Diagnose ist erschütternd:

  • Sekundäre pathologische Hyperaggression bei fehlender Drohphase und reflexartigen, heftigen sowie ungehemmten Angriffen mit Verletzungsfolgen gegenüber Menschen
  • Hypervigilanz mit Verdacht auf gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Verdacht auf Dys-Soziale Persönlichkeitsstörung (entwicklungsbedingt und genetisch bedingt)
  • Intraspezifisches Aggressionsverhalten gegenüber Katzen

Eine Verhaltenstherapie ist nach Meinung der Ärztin auch bei medikamentöser Unterstützung aussichtslos. Zudem schätzt sie die Gefährlichkeit als hoch ein und empfiehlt eine Euthanasie.

Dieser Empfehlung folgen wir aber nicht blind. Wir haben uns mit weiteren Medizinern in Verbindung gesetzt, um ein weiteres Vorgehen abzuklären und die Optionen für Puma wieder zu erweitern. Die Verletzungen waren bislang auch alle nicht dramatisch. Selbstverständlich sind wir uns der Verantwortung gegenüber Tier und Mensch bewusst – aber eben auch dem Tier, also Puma gegenüber. Die Kleine ist jung, lebenslustig, agil und organisch kerngesund, wir suchen eine andere Lösung, gerne auch mit Ihrer Hilfe.

Update # 5, 8. Mai 2014:

Eine lange Pause liegt zwischen dieser und der letzten Meldung. Das hatte einen guten Grund. Erstens hatten wir eine weitere Therapeutin eingeschaltet, die uns anders beraten hatte, als im ersten Fall. Dafür brauchten wir Zeit. Zweitens haben wir in der Folgezeit Krampfungen bei Puma beobachtet, die eine Epilepsie wahrscheinlich scheinen ließen. Es folgten Termine und Untersuchungen bei einem herausragenden Neurologen, der die Epilepsie dann schließlich auch sicher diagnostizieren konnte.

Alle weiteren Untersuchungen bezüglich möglicher Ursachen der Epilepsie trudelten in den letzten Tagen ein und waren negativ. Wir haben es demnach vermutlich mit einer idiopathischen Epilespie zu tun.

Puma wird seitdem medikamentös behandelt, was ihr offenbar sehr gut bekommt. Sie ist ausgeglichener und zeigt keine Aggressionen mehr.

Ihr Verhalten ist recht typisch, wenn man die Erkrankung im Hintergrund kennt. Und was uns natürlich besonders freut: Wir haben jetzt einen behandelbaren Zustand und schon erste Erfolge.

Jedem interessierten Mitleser sei daher noch einmal klargemacht, dass Zweit- oder Drittmeinungen immer sinnvoll sind, bevor man Empfehlungen folgt, die irreversibel sind. Puma hat das das Leben gerettet.

Update #6, 14. Mai 2014:

Gestern waren wir zur Nachuntersuchung. Puma war in den letzten Tagen recht schläfrig, wir vermuteten bereits eine zu hohe Dosierung des Medikaments. In der Woche haben wir mehrere Videos von ihr aufgenommen, die sich unser Neurologe auch zwischendurch angesehen hat. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt zu ihm, telefonisch, per E-Mail, SMS und via Video-Upload. Das Engagement von Herrn Dr. Deutschland ist wirklich lobenswert, so etwas erleben wir selten.

Ergebnis: Wir belassen die Medikation und warten weitere 14 Tage ab. Eine Katze brauche zwei bis vier Wochen, bis sie sich auf die Medikation eingestellt hat. Puma bekommt also die Zeit, die sie dafür braucht. Insgesamt haben sich die Verhaltensauffälligkeiten, also die Spontan-Aggressivität fast völlig aufgelöst. Epileptische Anfälle traten seitdem nicht mehr auf. Allerdings ist sie auch sehr matt. Unsere Hoffnung ist, dass sie sich in den nächsten Wochen auf die Medikation „einpendelt“ und besser damit zurecht kommt.

Es ist zwar bei den Neurologen umstritten, ob eine idiopathische, also primäre, Epilepsie bei Katzen überhaupt existiert oder ob nicht alle felinen Epilepsien letztlich sekundär sind (also eine symptomatische Erscheinung einer anderen Primärerkrankung), aber ein wissenschaftlicher Nachweis wird so schnell nicht erbracht sein. Fakt ist, dass die Medikation bei einer sekundären Epilepsie keine anhaltende Wirkung hätte. Wäre dies der Fall, käme als nächster Schritt ein MRT in Betracht, um zu schauen, ob wir es mit einem Hirntumor zu tun haben, das ursächlich für die Epilepsie verantwortlich ist.

Drücken wir jetzt der Kleinen die Daumen, dass das Medikament wirkt und dass sie die Kraft hat, damit zurechtzukommen. In den kommenden zwei Wochen werden wir sie weiter beobachten, Buch führen und in regelmäßigem Kontakt mit dem Neurologen bleiben.

Update #7, 11. Juni 2014:

Die Medikation schlägt an. Wir haben vergangene Woche neue Blut- und Urinwerte machen lassen – die Ergebnisse sind sehr beruhigend. Der Phenobarbitalspiegel ist eher niedrig, Puma verstoffwechselt das Medikament sehr gut. Erfreulich ist dabei, dass wir so hohe Gestaltungsspielräume gewinnen, wenn wir die Medikation anpassen müssen.

Im Hintergrund hatten wir immer noch die Befürchtung, es könne sich um eine sekundäre Epilepsie handeln, eventuell mit einer FIP als Ursache. Nunmehr ist der Corona-Titer deutlich abgesunken, so dass Stress als Ursache sehr wahrscheinlich ist.

Stress ist für unsere kleine Püppi sowieso eine Achillesferse. Nach dem letzten Arztbesuch brauchte sie noch den kompletten nächsten Tag, um sich wieder zu normalisieren. Wir werden zusehen, dass wir Arztbesuche auf das absolut notwendige Maß reduzieren.

Wir sind von nun an mit dem Neurologen in lockerem Kontakt und beobachten unsere kleine Maus. Anfälle hatten wir in den letzten Wochen nicht mehr zu verzeichnen, das lässt hoffen, dass wir vielleicht sogar mit genau der richtigen Dosierung eingestiegen sind.

Wenn einer der Leserinnen oder Leser mit dem Gedanken spielt, Puma ein neues Zuhause zu geben, dann wäre jetzt langsam die Zeit, Puma kennenlernen zu können. Puma ist eine großartige Katze, klein, stark, schwarz – und ihr junges Leben hat wieder eine Perspektive!

to be continued…


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4 Jahren her / Keine kommentare

11

JUN

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Jens

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